Recharging my batteries in Karuizawa

Im Juni war ich beinahe komplett ausgebrannt. Die Anzahl der Überstunden nahmen wieder zu und an den Wochenenden verbrachte ich Stunden damit, meinen Lebenslauf (dreisprachig) zu überarbeiten, das perfekte Anschreiben auf meinem Laptop zu formulieren und mich online durch Jobangebote zu klicken. Draußen regnete es, manchmal mehrere Tage am Stück und die Luft wurde dichter, schwüler. Es war Regenzeit in Tokyo und ich, auf Jobsuche.

Da kam ein Wochenendausflug gerade recht. Digital Detox hatte Tomohiro außerdem vorgeschlagen, weil er vor Kurzem erst etwas darüber gelesen hatte. Unser Ausflug sollte nach Karuizawa in Nagano gehen, weil es so schön nah an Tokyo liegt. Nur zwei Stunden braucht man von uns, sozusagen von Tür zu Tür, wenn man den Shinkansen nimmt. Der Ort ist eigentlich eine berühmte Resort-Gegend mit vielen Ferienhäusern, und eben wegen der kurzen Anreisezeit von Tokyo aus äußerst beliebt bei Wochenendausflüglern. Auch John Lennon und Yoko Ono hatten sich hier angeblich solch ein Häuschen zugelegt, und ich kann auch sehr gut verstehen, warum, – aber dazu später.

Gegen 10:30 kamen wir an unserem Zielort an und wurden mit sommerlichen Temperaturen von 28 Grad überrascht. Dabei liegt Karuizawa eigentlich in 1000 Metern Höhe, direkt am Mt. Asama. Sightseeing hatten wir nicht großartig geplant, nach einer kurzen Internetrecherche (danach wurde das Handy aber weggepackt, versprochen!) machten wir uns daher auf nach Naka-Karuizawa, wo wir die Stone Church besichtigten, eine berühmte Hochzeitskapelle, gleich drei Brautpaare antrafen (Karuizawa ist ein beliebter Ort für Hochzeiten), ich mich im Onsen des Hoshino-Resorts „Tonbo no Yu“ ausgiebig entspannte (es war noch früher Nachmittag, daher blieben die Massen aus und ich hatte das tolle Bad fast für mich alleine!), wir Soba aßen (da DIE Spezialität Naganos) und im nahegelegenen (menschenverlassenen) Waldstück spazieren gingen.

Über Nacht blieben wir im Prince Hotel Karuizawa Asama, das zwar für den Zimmerpreis nicht so besonders aussergewöhnlich war, aber an ein wunderschön gepflegt grünes (europäisch angehauchtes) Resort-Gelände anschloss, das wir am folgenden Tag ein wenig mit unseren geliehenen Fahrrädern erkundeten. Natürlich gab es auch die obligatorischen Golf- und Tennisplätze, aber ich interessierte mich viel mehr für die vielen kleinen Cottages, die verstreut am Wegesrand aufgebaut waren und zu 90% unbewohnt zu sein scheinen. Ich träumte schon von einem Weihnachtsabend dort, kuschelig am (imaginären) Kamin, während der Schnee draußen lautlos zu Boden fällt. Dann recherchierte ich die Preise für eine Nacht in so einem Cottage und wurde schnell wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht. Weiter ging es hinauf mit dem Bus zum Shiraito no Taki“ – Wasserfall mitten in den Wäldern, dann noch einmal hinunter und weiter mit dem Fahrrad durch die vielen Anlagen mit Ferienhäusern. Ach ja, wenn ich irgendwann einmal im Lotto gewinnen würde…

Zwar ist Karuizawa für den typischen Japan-Touristen wegen des europäischen Flairs nicht unbedingt interessant, aber für mich als Tokyo-Bewohnerin war es unheimlich entspannend, die frische Luft und das viele Grün zu erleben, und ein Wochenende ohne Menschenmassen zu genießen. Karuizawa, wir kommen gerne wieder 😉

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6 Gedanken zu “Recharging my batteries in Karuizawa

  1. Juhu, ein weiteres Mitglied im Club der Europäer, die sich in Naganos europäisches Flair verliebt haben XD Karuizawa klingt toll, da war ich noch nicht. Umgekehrt kann ich Tateshina sehr empfehlen, das liegt noch etwas höher als Karuizawa und ist dadurch kühler :3

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    1. Nagano ist echt toll! Wir spekulieren schon ein wenig darauf, dass sich die Schwiegereltern dort ein Ferienhaus zulegen, weil das immer mal wieder im Gespräch ist 😉 Tateshina merke ich mir mal, danke für den Tipp! Fahrt ihr normalerweise mit dem Auto nach Nagano?

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      1. Genau! Öffentliche Verkehrsmittel gibt es da ja kaum, deshalb machen wir meist Rent-a-car oder Rent-from-family – letzteres ist dann natürlich um einiges günstiger 😏

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  2. Digital Detox ist immer gut. Ich habe letztens erst einen TedTalk darüber gesehen, und heute las ich einen Artikel darüber, was Social Media mit Kindern anstellt – schön ist das nicht. Deswegen packen wir jetzt, wenn wir abends nach Hause kommen, die Handys weg. 🙂

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