My big fat Japanese wedding, pt. 1: Die Planung

Eigentlich war mir das Heiraten gar nicht so wichtig gewesen. Wir waren bereits mehr als fünf Jahre zusammen, teilten seit über einem Jahr unseren Alltag in einer gemeinsamen Wohnung, – und doch, ich hatte Ja gesagt, als Tomohiro mir eines frostigen Morgens beim romantisch-rosanen Sonnenaufgang während unseres Frankreichurlaubs die Frage der Fragen stellte. Und ob ich wollte! 4 Monate später saßen wir also in den etwas altmodisc wirkenden braunen Sesseln vor unserem Hochzeitsplaner bei Watabe Wedding, eine der unzähligen Hochzeitsplaner-Firmen in Japan („selfmade“ Hochzeiten sind hier nicht wirklich üblich). Wenn schon denn schon, hatte ich mir nämlich gedacht, wenn ich schon heirate, dann möchte ich eine Hochzeitsfeier wie aus dem Bilderbuch, in einer Traumkapelle, mit weißer Torte und am besten am Strand. Nachdem ich von unserem Ishigaki-Urlaub so begeistert gewesen war, stand der Ort auch schon fest: die Okinawa-Inseln.

Hier waren wir also nun. Unser Wedding-Planer, ein Mann in den späten 30ern mit nichtssagendem Gesicht, bemühte sich zwar darum, uns wie die königlichsten Gäste zu behandeln, konnte dann aber doch mit diesem internationalen Paar nicht so recht etwas anfangen. Jedes Mal, wenn ich eine Frage stellte („Ist der Pfarrer auch echt?“*(*In einem Land, in dem Ausländer für 2000 Yen die Stunde für Hochzeiten in die Priesterrolle schlüpfen dürfen, eine durchaus berechtigte Frage), „Gibt es das Hochzeitsmenu auch ohne Fleisch?“, etc.pp), – und ich hatte viele Fragen – , rannte er irgendwo nach hinten in ein Büro und kam erst wieder eine Weile später mit einer Antwort zurück. Dazwischen schlurften wir unseren angebotenen Tee, kauten auf klebrig gewordenen Bonbons herum und schauten uns bereits zum zehnten Mal das Okinawa-Promotion-Video der Firma an. So vergingen jeweils 2-3 Stunden pro Termin, und nachdem ich dachte, ich könnte das Hochzeitsvideo schon auswendig mitsprechen (inklusive Ja-Wort, versteht sich), wurde uns nach einigem Hin und Her dann auch endlich ein Kostenvoranschlag gemacht, und unser Strandhochzeit-auf-Okinawa- Plan schien konkreter zu werden, was sich wiederum exponential auf meine Vorfreude auswirkte; Wir hatten wir uns als Ort der Trauung für eine niedliche kleine Kapelle auf Miyakojima (angeblich die Okinawa-Insel mit Japans schönsten Stränden) entschieden, in die bei Sonnenschein das Licht durch große mit Orchideen-Mustern bunt verglaste Fenster fällt und fast direkt am Strand liegt.

Bis der endgültige Plan stand, sollte jedoch noch einmal ein weiteres halbes Jahr vergehen, und dazwischen wurde uns glücklicherweise eine neue Hochzeitsplanerin zur Seite gestellt, die ein wenig sympathischer auf all unsere (= meine) Extra-Wünsche einging. Mit einem richtigen Hochzeitskleid, das ich mir in Deutschland entgegen aller guten Vorsätze („Abendkleid reicht aus“) dann doch kaufte, Tomohiros geliehenem Smoking, extra orangenen Orchideenbestecken für die Tische im Restaurant, einem zusätzlichen Sektempfang nach der Trauung, und so weiter stiegen leider auch unsere Kosten immer mehr an, bis ich der Hochzeitsplanerin bei jedem weiteren Vorschlag (schließlich muss sie ja damit Geld verdienen) nur noch enthusiastisch zunickte, während Tomohiro mit einer zusätzlichen Sorgenfalte auf der Stirn die Kreditkarte zückte.

Das viele Geld für diesen einen Tag mal Beiseite gelassen, hatten wir jedoch sagenhafterweise wenig Stress mit der Hochzeitsvorbereitungen, da wir bis auf die Ringe, Einladungskarten, Tischkärtchen und ein paar Gastgeschenke nichts selbst organisieren mussten. Da ich onehin bereits mit der standesamtlichen Trauung und dem Verwaltungswahnsinn mit Bergen an offiziellen Dokumenten und Übersetzungen schon genug um die Ohren hatte, war mir das nur recht.

Und dann war er also da, der große Tag. Aber dazu demnächst mehr…

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3 Gedanken zu “My big fat Japanese wedding, pt. 1: Die Planung

  1. Hochzeit auf Okinawa, hört sich an wie im Paradies 🙂
    Wie habt ihr es mit den Gästen gehalten? Leute einfliegen zu lassen hat die Rechnung doch bestimmt nochmal hochgetrieben, oder??
    Dein Kleid ist übrigens wunderschön 🙂
    Viel viel Glück euch beiden für die Zukunft!

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    1. Vielen Dank, liebe Tara^^
      Wir wollten keine Geschenke, und dafür mussten die Gäste die Reisekosten dann selbst bezahlen… Das ist in Japan wohl durchaus auch üblich, wenn man irgendwo weiter weg Hochzeit feiert.

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